Bücher

Die Frau des Metzgers – Eine Annäherung

Chronos 2007, 240 Seiten,  4. Auflage

Der zweite Band der Familientrilogie um Hans & Hildi, Ida & Johann, Sophie & Albert

Nach «Fleisch und Blut», den kernigen Lebensansichten des Hans Meister, die Kehrseite der Medaille – die Geschichte seiner stillen Frau Hildi

Auch dieses Buch erzählt von der Lebensrealität einer Generation, die dabei ist, uns zu verlassen. In einer Grossfamilie aus Solothurn beginnt die Geschichte von Hildi. Zu ihr, der Schweigenden, führt uns ein Geflecht von Stimmen, die sich erinnern, wie sie als Kind mitten in einer unübersichtlichen Schar von Geschwistern aufwuchs, wie sie als Jugendliche in der Fabrik arbeitete, um den dringend benötigten Lohn nach Hause zu bringen. Von Ungewissheiten beim Erwachsenwerden ist die Rede, vom Tändeln, vom Kinderkriegen und Heiratenmüssen. Von Grenzüberschreitungen und Hingabe wird erzählt, von stillen Frauen, tapferen Kindern und auch vom Weinen der Männer.

Wie war das wenig freiwillige Leben an der Seite des jungen Metzgersburschen Hans, der ganz unten anfangen musste und mit Hildi eine Familie gründete und ein eigenes Geschäft? Wer war die Frau neben dem dominanten und erfolgreichen Metzger, der die Welt gern besser gemacht hätte? Der sie, als es bergauf ging, vom Dorf in die grosse Stadt verpflanzte und ihr einen Pelzmantel schenkte? Was wurde aus ihrer Liebe? Und wie ging sie von der Welt? Im Geflecht der Stimmen-Zeugnisse, die sich überkreuzen und verknoten, formen sich die zeitgeschichtlichen Bilder als Kulisse hinter einer Frau, die ihr Geheimnis mit sich nahm.

»Ich wollte wissen, warum Hildi in einem Loch versank und verlöschte. Warum aus dieser sinnlichen, sprühenden Frau die Greisin wurde, die an ihren Seelenschmerzen zerbrach. Ich wollte wissen, was aus der Liebe geworden war, die ich als Kind spürte, wenn ich meine Grosseltern wie ein Wesen auf dem schmalen Sofa fand, schlafend.« (Die Autorin im Nachwort)

Literaturpreis des Kantons Zürich 2007
Schillerpreis der ZKB 2011


Eine Zeitreise. Ein Buch über die Liebe, das Leben, zum Lachen und zum Weinen. Da ist alles drin, was ein Buch bieten kann | Christine Hubacher, SRF Radio 1


Ich habe diesen Zweitling skeptisch in die Hand genommen, nach dem feinen »Fleisch und Blut«. Zweimal will so etwas Spezielles ja nicht oft gelingen. Nach den ersten Seiten das Gefühl, bereits wieder zu Hause zu sein in dieser Sprache. Die Geschichte der Frau des Metzgers hat mich genauso tief beeindruckt wie der Erstling, nur ist sie gesellschaftspolitisch noch drängender. In einem Zug habe ich dieses Buch zu Ende gelesen | Jost auf der Maur, NZZ am Sonntag